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Frühjahrsausstellung: Besucherschar erlebte ansprechende Vielfalt bildhauerischer Kunst

Geisenfelder Zeitung, Magdalena Zurek : Montag, 26. April 2004
Bilder : Miek Michielsen, Wolfgang Gertis

Dank an unseren Sponsoren der Firma Eickelmann sowie an den ehrenamtlichen Helfern Marianne Grabmair, Ida Mühlbauer und Henriette Staudter
Eine ansprechende Vielfalt bildhauerischer Kunst, auf teilweise beeindruckend hohem Niveau, präsentiert die Frühjahrsausstellung des "Kunstforum Geisenfeld" in der Gärtnerei Eickelmann. Trotz des schlechten Wetters hatten sich bereits zur Vernissage am Freitag nahezu hundert Interessenten eingefunden. Ein Besuchertrend der über das gesamte Wochenende anhielt, wo Workshops auch die Kleinsten zum Töpfern, Malen, Buttons gestalten oder Schminken einluden. Mit Swing und Elan brachte "Maggies Moderne" zumindest musikalisch den Frühling in die Gewächshäuser der Familie Seidl, duftende Blüten und saftig grüne Sträucher taten das ihre.

Grobschlächtig und kantig, von einer Aura der Gewalt umgeben, prangt eine totemartige Holzskulptur Alexander Kreileders gleich am Eingang zur Ausstellung. Biologische Attribute der Männlichkeit sind durch Messer ersetzt, das Kinn gleicht einem Nussknacker -ein Gleichnis auf politische Unvernunft und Machtmissbrauch. Stilisierte Momentaufnahmen menschlicher Bewegung und "teuflisch ausdrucksstarke" Fratzen, die regelrecht den Schatten des Bösen an die Wand werfen, sind Gegenstand der Bronzefiguren Ulrich Holzners, der erstmals bei einer Ausstellung in Geisenfeld dabei ist.

Der menschliche Körper, nicht klassisch idealisiert sondern mal realistisch weich, mal minimalistisch entfremdet mit einem Hauch Exzentrik aus Gips geschaffen steht im Mittelpunkt der Arbeiten Nathalie Ponsots.
Künstlerische Vielfalt im Material wie im Ausdruck · von einer getöpferten Gießkanne mit freundlichen Glupschaugen bis zur symbolhaften Meerjungfrau in Speckstein · beweist Ingrid Schmedes, die vor Ort farbenprächtige Blumen aus Filz gestaltete. Lisa Kose lässt drei schmunzelnde Steine aus einem Beet hervorschauen, wobei sie bewusst auf eine verzerrte Physiognomie setzt, um die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche · die Emotion · zu richten.

Zwei riesige ausgeschälte Baumstammhälften von Christoph Mayer gestaltet, auf Rindenmulch gebettet und auf ihrer rauen Außenhaut nur mit einem Hauch Farbe versehen, künden von der Urkraft des Irdischen, wirken wie "Wächter", die zugleich des Schutzes bedürfen. "Pfiffige" Abbilder fiederter Gesellen beleben als glasierte Tonfiguren jene Ecke des Gartens, die von Elfriede Eifertinger auch mit dekorativen Kugeln in erdigen Beigetönen belebt wird.

Last but not least seien die beiden Organisatoren der Ausstellung genannt, denen die Familie Seidel zur Seite stand: Gewohnt humorvoll-hintersinnig präsentiert die gebürtige Belgierin Michielsen eine Biertischgarnitur als "bayrischen politischen Stammtisch", tiefschwarz, belebt von roten Herzen, orangenen Luftballons und gelegentlichen grünen Tupfern, der zur kontroversen Diskussion einladen soll.

Begeistert folgten viele Zuschauer der Aufforderung Wolfgang Gertis, das unvollendete Werk "Liebe rostet" (ein im Holzrahmen aufgespanntes Blechobjekt, mit klaffenden Wunden und zerstörten Symbolen romantischer Gefühle versehen) mit schwarzer und roter Farbe zu vervollkommnen und schließlich mit Lack zu konservieren. Dass es sich lohnt, an den Exponaten nicht einfach mit einem kurzen Blick vorbeizuschlendern, beweist Gertis Ensemble "Mangel an Bewegung I und II". Entlocken der verkohlte Holzklotz mit Steckerlbeinchen in Kinderschuhen und der Stein im stählernen Käfig dem Betrachter zunächst ein Lächeln, keimt schnell Betroffenheit auf. Hier wird ein Gleichnis von Freiheitsentzug gegeben, der Mensch und Tier verkrüppeln lässt, der sie an ihrer Entfaltung hindert und ihnen letztlich sogar die Fähigkeit zur Freiheit nimmt.

Für all jene, die am Wochenende keine Gelegenheit hatten, einmal "hereinzuschnuppern" besteht dazu in den kommenden drei Wochen zu den üblichen Öffnungszeiten der Gärtnerei Eickelmann noch reichlich Gelegenheit.


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